
Am 9. Juni folgten über 160 Gäste unserer Einladung zum Parlamentarischen Abend unter dem Motto „Die Sportnation der Zukunft gestalten“ in das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus. Mit Athlet*innen, Verbands- und Vereinsvertreter*innen sowie mit vielen weiteren sportinteressierten Personen stellten wir die Politik für Spitzen- und Breitensport sowie die Bedeutung einer friedlichen Fußball-Fankultur in den Mittelpunkt. Tina Winklmann, Sprecherin für Sport und Ehrenamt, führte mit sprühendem Elan und Sportbegeisterung durch das vielfältige Programm des Abends. Bereits mit ihrem Anstoßpfiff gab sie das Motto aus: „Wir brauchen in Deutschland ein Facelifting in der Sportpolitik.“
Britta Haßelmann, Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag, stellte in ihrer Einführungsrede die breite Palette grüner Sportpolitik im Bundestag vor und ging auf aktuelle Herausforderungen und Entwicklungen ein. So unterstützten wir als grüne Bundestagsfraktion eine deutsche Olympiabewerbung – weil wir nicht nur Austragungsorte in Autokratien kritisieren sollten, sondern auch zeigen müssen, dass wir es als demokratisches Gemeinwesen selbst können. Maßstab für eine überzeugende Bewerbung seien aber „bezahlbare Veranstaltungen, bezahlte Teilhabe für Athlet*innen, Barrierefreiheit der Sportstätten und verbindliche Inklusionsschritte, klare und glaubwürdige Antidiskriminierungsmaßnahmen sowie eine Berücksichtigung von Fan- und Zuschauendeninteressen“.
Eine Olympiabewerbung Deutschlands dürfe nie verkennen, dass die Spiele von 1936 von der nationalsozialistischen Diktatur missbraucht und die Münchner Spiele von 1972 von einem Terroranschlag auf das israelische Team überschattet waren. Daher müsse die aktuelle Bewerbung „unmissverständlich für Frieden, Völkerverständigung und gesellschaftlichen Zusammenhalt“ stehen.
Gesellschaftliche Arbeit und Engagement
Britta Haßelmann erinnerte daran, dass für uns als grüne Bundestagfraktion Sportentwicklung „gleichermaßen im Spitzensport und in der Breite“ zähle. Dazu passte der Vortrag von Svenja Brunckhorst, Olympiasiegerin von 2024 im 3×3-Basketball. Im Themenblock „Move.Eat.Play – von der Schule zur WM“ stellte sie das Konzept „Sport Vernetzt“ von Alba Berlin vor. Dessen Ziel ist es, mehr Mädchen und Jugendliche aus Stadteil-Brennpunkten in den Sport zu bringen. Kitas, Schule und Engagierte aus Sportvereinen gestalten dabei gemeinsam den Alltag von Kindern und Jugendlichen aus prekären Lagen. Gerade der Sport biete im Kleinen die Möglichkeit für das „Zusammenkommen der Nationen“ in besonders benachteiligten Gebieten.
Sportgroßveranstaltungen als Schaufenster
Bei den weiteren Programmpunkten der Veranstaltung stand der Spitzensport im Mittelpunkt. Einen besonderen Stellenwert hatten dabei die Forderungen nach mehr Sichtbarkeit und Teilhabe für Athlet*innen sowie nach Gleichstellung und Schutz im Sport, wie sie auch die Grüne Bundestagsfraktion in Bundestagsanträgen als Konzept vorgeschlagen hat. Welche Bedeutung Olympische und Paralympische Spiele für die Karriere von Spitzenathlet*innen haben, wurde anschließend in einer Diskussionsrunde über Sportgroßveranstaltungen deutlich, die von Tina Winklmann, Sprecherin für Sport und Ehrenamt der Bundestagsfraktion, moderiert wurde.
Anna-Lena Forster, mehrfache Paralympics-Siegerin im Monoskibob, hob hervor, dass die mediale Aufmerksamkeit bei paralympischen Spiele eine besondere Chance für den Parasport insgesamt und die Leistungsentwicklung der einzelnen Athlet*innen biete. Sie habe bei den Paralympics in Mailand/Cortina im März 2026 vom sehr guten Publikumszuspruch profitiert und die Spiele im Herzen Europas in guter Erinnerung.
Rückblickend auf seine Biathlonkarriere hob der Staffel-Olympiasieger von 2014, Simon Schempp, hervor, dass „Sport eine Lebensschule für Werte und Fairplay“ darstelle und somit auch positive Wirkungen für die Gesellschaft entwickeln könne.
Felix Schrader vom deutschen Para-Eishockey-Team und Teilnehmer der Paralympics in Mailand/Cortina 2026 ging auf die noch immer nicht ausreichende Vereinbarkeit von Leistungssport und Berufsausübung ein. Er benötige aktuell zwei Vollzeitstellen, je eine im Beruf und eine im Leistungssport, um seinen Sport auszuüben. Er forderte den „Abbau der Förderunterschiede zwischen olympischen und paralympischen Sportarten“. Eine Forderung, die wir Grüne im Bundestag in unsere parlamentarische Arbeit aufnehmen werden.
Moderne Sportförderung
Margarita Kolosow, Rhythmische Sportgymnastin, hob hervor, dass die Rahmenbedingungen für den Spitzensport in Deutschland im internationalen Vergleich zwar gut seien. Dennoch müsse die Förderung durch Stützpunkte, Bundeswehr und Sporthilfe verstetigt werden – und die individuelle Entwicklung der Athlet*innen immer im Mittelpunkt stehen. Die bevorstehende WM der Rhythmischen Sportgymnastik in Frankfurt/Main im August könne „als bedeutende Sportgroßveranstaltung in Deutschland ein Motor für die weitere Sportentwicklung“ sein.

Mehr Akzeptanz für Fußball-Fankultur
Im Veranstaltungsblock zur Fußball-Fankultur und zur sozialen Arbeit der Vereine und der Faninitiativen diskutierten Manuela Raasch (TurbineFans e.V.), Julia Düvelsdorf (SV Werder Bremen, Leiterin Fankultur & Antidiskriminierung) und ich als Berichterstatter für den grünen Bundestagsantrag (21/4292) zur Weiterentwicklung der Fankultur miteinander.
Vor dem Hintergrund der jährlich wiederkehrenden und oft überzogenen Forderungen der Innenministerkonferenz warnten wir vor der Gefahr, durch einseitige Fokussierung auf Repressionsmaßnahmen den Kontakt zu den Fangruppen zu verlieren. Vorschläge nach einem zentralisierten Verfahren für Stadionverbote, personalisierte Tickets oder nicht verhältnismäßige Einlasskontrollen sind kaum hilfreich für ein kooperatives Sicherheitsverständnis und schaden letztlich der Fankultur insgesamt. „Sicherheit entsteht durch Vertrauen und nicht durch Kontrolle und Repression“, sagte Julia Düvelsdorf mit Blick auf die Situation in der 1. Bundesliga der Männer.
Deutlich wurde aber auch, wie unterschiedlich die Lage zwischen Männer- und Frauenfußball ist. Bei Turbine Potsdam komme man, so Manuela Raasch, bisher überwiegend ohne Sicherheitskonzepte aus. Auch eine Fantrennung sei beim Frauenfußball nicht erforderlich.
Sportpolitische Entscheidungen im Bundestag stehen an
Das Fazit der Veranstaltung zog der für Sport-, Innen- und Rechtspolitik zuständige stellvertretende Fraktionsvorsitzende Konstantin von Notz: „Sport ist in schwierigen Zeiten eine Bastion für Demokratie, Freiheit und Vielfalt.“ Vor allem in den anstehenden parlamentarischen Debatten um das Sportfördergesetz und die Zukunft der Spitzensportförderung, die Fußball-Fankultur sowie die Förderung für Engagement und Freiwilligendienste im Rahmen des Bundeshaushaltes werde man dies von grüner Seite zum Maßstab machen. Im anschließenden Get-together wurden die vielfältigen Themen aufgegriffen und in vielen Gesprächen angeregt diskutiert. Und auch Vertreter*innen des Forschungsinstituts für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES) gaben fachkundige Auskunft zu den extra anlässlich des Parlamentarischen Abends ausgestellten Sportgeräten wie Zweierbob und Para-Monoskibob.